28
Sep
2006

Josh, der Kinderschreck

Während Helga gemütlich ihre äußerst schmalen Hüften zur Musik vom älteren Depeche Mode Konzert „Devotional“ kreisen lässt, steht Ed in einer Reihe mit seinen Kollegen. Ed ist schwer gefährdet wenn Kinder in der Nähe sind, denn die fassen mit ihren kleinen Fingerchen gerne mal an Ed´s empfindliche Teile. Dazu kommt noch die tolle neue Regel, dass im Fantastika die eine Seite der vorführbereiten Lautsprecher mit Abdeckung, die andere ohne Schutz zu stehen hat. Ed meinte, er wäre kein FKKler, aber er konnte sich nicht entziehen.

Jetzt stehen sie da, wie nackte Knaben unter der Dusche im Internat wenn der Aufseher rein kommt, in einer Reihe, präsentieren sich nackt und müssen sich alles gefallen lassen. Ed findet das äußerst unangenehm. Ich persönlich finde ja, das er ohne die Bespannung äußerst attraktiv wirkt, aber er war nicht zu überzeugen. Eigentlich deute ich ja sogar in Verkaufsgesprächen eher die weibliche Seite so einer Box an (die Blonde oder die Schwarze? Jaja, die ist ´n bisschen Zickig!), so findet man meistens recht schnellen Zugang zur überwiegend männlichen Boxenkäuferzunft. Ed findet das ziemlich schrecklich. Genau wie die nette Familie mit dem kleinen quietschfidelen Jungen, der hier durch Hifi-Studio turnt.

Während ich also Loblieder über ein tolles Surroundboxen-Set singe, flüstert Ed mir vorsichtig ins Ohr, pass auf den jungen auf, pass auf. Natürlich passe ich auf. Kleine Boxen klingen auch super, versuche ich die Zweifel des Vaters zu zerstreuen, denn ich weiß dass seine Frau keine echten Lautsprecher ihr Wohnzimmer verunstalten lassen möchte. Und gegen die hat er sowieso keine Chance. Aber er hat Glück, versuche ich ihm zu vermitteln. Den diese kleinen Dinger klingen tatsächlich recht ordentlich, für die Größe (das mit der Größe lasse ich selbstverständlich weg, denn meistens ernte ich von den Herren schwer bekümmerte Gesichter während die Damen alles verteufeln, was größer ist als ihre Hände).

Da plötzlich stürmt der kleine auf die unbedeckten Membrane diverser Kollegen von Ed, so schnell das ich es schon fast geschehen sah. Die kleinen Fingerchen tanzten über Papier, Polypropylen, Aluminium, alles nicht ganz so schlimm, doch dann erhöhte er den Druck und führte seine tot bringenden Klauen auf Eds empfindlichstes Gut: Der Hochtöner. Hochtöner eindrücken ist gemein. Das weiß der kleine zwar nicht, aber Ed um so besser. Ich müsste ihm einen neuen nachbestellen, aber dann wäre er nicht mehr Ed, er wäre Ed mit einer Prothese. Niemand will einen Lautsprecher mit Prothese.
Kurz bevor der kleine Finger die Mylarfolie berührt (ich sag`s ja, Ed ist ein recht spezieller Lautsprecher) erhebe ich reflexartig meine Stimme: Stopp, so das der junge, die Familie, meine Kollegen die vor dem Studio stehen, sämtliche Kunden im Laden, die komplette Bürobesatzung, die Menschen in den Autos auf den Parkplätzen und zuletzt das Publikum nebst Depeche Mode Frontmann Dave Gahan inklusive seiner Band kurz innehalten und mich anstarren. Ein kurzer Moment der Stille fügt sich ein den ich nicht so sehr genießen kann, denn es scheint dass alle mich hassen. Schon brüllt der kleine los. Oh Scheiße, denke ich, was hast jetzt wieder gemacht.

Doch Vatti zeigt sich beeindruckt und sagt noch, auf ihn würde er nicht so hören. Naja, vielleich verwenden wir da einfach unterschiedliche Methoden. Das Problem ist nur, bei mir würde der kleine Mann irgendwann zum Amokläufer werden, oder zumindest ein Fall für die Super Nanny.

Die Eltern waren überhaupt nicht verärgert, die Leute machten weiter, Dave brauchte mal wieder etwas länger, schmetterte dann aber sofort wieder los mit den Worten I surrender all control to the desire that consumes me whole und das verschreckte Kind durfte, von seiner Mutter begleitet auf der Couch platz nehmen. Ed lächelte. Der kleine war recht weiß um die Nase, natürlich hab ich mich mehrmals entschuldigt, aber er zog es vor zu schmollen. Die Eltern schmunzelten und ich durfte das Beratungsgespräch zu Ende führen.

Ed ist also gerettet. Helga blieb stumm und konzentrierte sich auf ihre Lieblings-Band: Depeche Mode. Bleibt noch die Frage, warum wir ein altes Konzert laufen lassen, wo die schrägen Synthie-Kollegen doch gerade erst was neues herausgebracht haben. Ganz klar: Anton Corbjin hat´s einfach besser gemacht. Oder so. Ich weiß es nicht, es ist mir auch wurscht, aber Helga wollte unbedingt „Devotional“, ein Superkonzert, allerdings noch mit einem etwas kaputten Dave Gahan. Mein liebstes ist „Live in Paris“, wenn bei „In your Room“ der Hai auf einer Riesenleinwand droht, den kleinen unschuldigen Fisch mir unbekannter art zu verschlucken. Auch ´ne Idee von Anton Corbijn. Aber mich fragt ja keiner.


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