Hifi-Studio, Ed & Helga

14
Nov
2006

Simon Sez

Simon ist meiner neuer Freund. Er ist Engländer und spricht kein Wort deutsch. Kein Problem, meine Englischkenntnisse reichen gerade noch so aus, ihm eine ordentliche Stereo-Anlage zu verkaufen. Nach leichten Schwierigkeiten ihm das Prinzip von Elac´s Jet-Hochtönern zu erklären, stellte ich ihm eine solide Kombination aus Harman/Kardon Bausteinen zusammen mit einer hübschen Box von Canton mit dem langweiligsten Design der Welt. Kurz noch ein paar schmeicheleien über die hochwertigen Englischen Hifi-Manufakturen, die man in so einem Monsterladen wie den unserigen leider nur selten bis gar nicht antrifft, ein fragender Blick Simons, als nebenan, außerhalb des Vorführstudios irgendjemand einen Bose-Knopf betätigte und es dermaßen laut durch die lächerliche Holzklapperwand in den Hörrraum hinein schallte (very embarressing), dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstand, und ich holte nochmal tief Luft um diese lächerliche Umgebung, die mir die Fantastischen ZentralVollidioten mit ihrem hirnlosen Konzept geschaffen hat, für Simon auszublenden und die Anlage und mich in den Mittelpunkt zu stellen. Offensichtlich schaffte ich für Simon eine so angenehme Atmosphäre, dass er sich spontant die Schuhe auszog und während ich redete Dehnübungen machte (problems with my back).

Also ich fand´s nicht schlimm. Lieber berate ich einen Briten, der sich das rechte Bein hinter den Kopf klemmen kann, als noch einen weiteren MP3 Spieler umzutauschen. Über Helga sagte ich dann noch sowas wie: I´m Sorry, I can´t push it away, und sie war hinterher sauer. Genau wie Ed, von dem Simon und ich uns einig waren, that he is a real ugly potato. Als Simon sich fertig gedehnt hatte, sagte er vielen Dank und er komme auf jedenfall wieder. Naja. Möglich wär´s ja. Ich würd´mich freuen. Und in der Zwischenzeit versuche ich Ed und Helga wieder mit mir zu versöhnen. Mit Trent Reznor...

4
Nov
2006

Saublöde Zeiten

Nach einen weiteren irren Tag im Fantastika und den Neuigkeiten, dass der Azubi nicht übernommen wird (Azubis werden bei uns spätestens nach ihrer zweiten Woche als vollwertige Arbeitskraft gezählt) und wir angeblich noch einer zuviel in der Abteilung sind (wir wurden von neun auf sechs geschrumpft, sind also vermutlich bald nur noch zu viert), schleppe ich mich wie ein angeschossener Truthahn in meine Hifi-Bretterbude, lasse mich abermals auf die kleine Couch fallen, falle sofort weiter in einen tiefen Schlaf und träume von der Zukunft:

Helga: Hallo?
Ed: Hallo?!
Helga: Dich meine ich doch gar nicht!
Ed: Was ist denn?
Helga: Wo sind die alle?
Ed: Wer?
Helga: Na Josh und der dünne lange, und der mit dem Schnurrbart und der Junge und der mit den durcheinander seienden Haaren, der Dicke, der Vorlaute... Wo sind die alle?
Ed: Die sind alle weg!
Helga: Wie weg?
Ed: Hast du´s noch nicht gehört? Die Zentrale hat mitbekommen, das die Geräte hier sprechen können. Also hat man alle Verkäufer abgeschafft. Wir müssen jetzt selber sehen, das wir hier nicht alt werden.
Helga: Hast du wieder zuviel Bon Jovi gehört?
Ed: Nein. Jedes Gerät muß sich drei gute Argumente einfallen lassen, warum es besser ist als die anderen.
Helga: Du bist bescheuert!
Ed: Ich zum Beispiel sehe gut aus und klinge hervorragend.
Helga: Und das dritte Argument?
Ed: Ich strotze vor Kraft.
Helga: So, du Kraftmeier? Räumst du dann hier jeden Tag auf und hälst Ordnung?
Ed: Das macht die Putzkolone jeden Morgen. Da sehen wir sie dann wieder.
Helga: Wen?
Ed: Na Josh und den dünnen, den mit dem Schnurrbart und er junge und er mit den komischen Haaren.
Helga: Und der Dicke und der Vorlaute?
Ed: Tja, die haben´s leider nicht geschafft.

Ein Kunde tritt ein.

Ed: Guten Tag, kann ich ihnen Helfen?
Kunde: Ja, ich brauche einen Sat-Receiver.
Ed: Ja, die haben wir da drüben.
Kunde: Können sie mir da was empfehlen?
Ed: Nö.
Kunde: Warum nicht?
Ed: Ich hab keine Ahnung von Sat-Receivern.
Kunde: Wozu arbeiten sie denn hier?
Ed: Ich arbeite nicht, ich stehe hier nur so rum.
Helga: Die Geräte erzählen ihnen jetzt selber, wie toll sie sind. Gehen sie einfach mal rüber und sprechen sie den hübschesten Receiver an.
Ed: Ist´n bißchen wie auf´m Strich. Nur billiger.
Helga: Aber nicht viel...
Ed & Helga zusammen: Hahahahaha....

Als ich wieder aufwache, bin ich gerade dabei einen MP3-Player umzutauschen. Die Nacht habe ich offensichtlich im Laden verbracht. Ich bin wie gerädert. Eine fröhliche Kundin kommt zu mir und sagt: Entschuldigung, können sie mir sagen welcher DVD-Spieler qualitativ besser ist? Der für 19 Euro oder der für 22,99?
Ich antworte: Da fragen sie die beiden doch am besten selbst.

Danach tausche ich einen weiteren MP3-Player um. Wie ich glaube, dass der Kunde nicht hinsieht, versuche ich mir das Ding in den Schädel zu rammen, doch durch den Stoß gegen meinen Kopf zerbröselt er in meiner Hand. Sehen sie, das ist doch auch keine Qualität, sagt der Kunde. Und ein anderer sagt: Entschuldigung, sind sie ganz alleine hier?

18
Okt
2006

Babe, I´m back again

Babe, I´m Back again, schallt es zu mir herüber. Wie gewohnt schlurfe ich, kurz bevor der Fantastika am Morgen seine Tore öffnet, durch die Abteilung. Ein Blick in mein Trulleberg-Studio: Da steht er wieder. Und er singt Helga´s lieblings Song. Bevor sie eine Säule wurde, war sie ein kleines Mädchen, dass den Suizid vollzog, nachdem Howie auf dem einzigen Konzert dass sie besuchen durfte ausnahmsweise mal nicht seinen blanken Hintern gezeigt hat. Naja.

Es ist nicht zu glauben, Ed ist wieder da. Am vorigen Tage wurde er, trotz des Superpreises zurück gebracht mit den Worten: Klingt nicht. Leider war ich nicht zugegen um entsprechend zu reagieren:
Wie, klingt nicht!? Gar nicht? Kein Stück? Kommt nichts raus, oder was?! Oder hat die Mutti des Hauses, mit ´nem zu festen Griff an ihren Klöten sich beschwert, ob der groben Verunstaltung ihres Wohnzimmers?

Ich denke, wir müssen uns einfach mal angwöhnen, nicht jeden Idioten in diesen Laden zu lassen. Klingt nicht. Ich glaub es hackt.
Ed ist wohlauf und guter Dinge. Er fühlt sich hier offensichtlich wohler als bei diesem kranken Typen der überaus wenig für Ed bezahlen mußte. Früher hatte er schwere Komplexe, wenn sowas passiert ist, diesmal geht er recht souverän damit um. Wir Fantastischen nehmen halt immer alles und unter allen Umständen auf jeden Fall zurück, heisst es. Bei Ed war es jetzt das sechste Mal. Mittlerweile scheint er da recht abgebrüht zu sein. Ed ist ein Profi. Und er wird uns wohl noch länger mit seiner Anwesenheit beglücken.

Um ihn wilkommen zu heißen, (und auch um zu verhindern, dass er weitere Take That-Schmonzetten runterleiert) füttere ich ihn mit feinster Kost aus dem Hause David Sylvian:

Atom and Cell

10
Okt
2006

Good Buy, Ed

Mühsam schleppe ich mich in meine olle Hifi-Bretterbude. "Helga", rufe ich, während ich mich auf die Couch fallen lasse, "ich glaube, ich geh kaputt."
"Was ist denn, mein kleiner Joshibär, hat dich wieder ein böser Kunde geärgert?"
"Vielleicht hat er wieder üble beschwerden verursacht", grinst sich der altersschwache Ed in das junge Gespräch hinein. "Ach halt doch die Klappe, du alter Sack", manchmal geht er mir einfach auf die Nüsse. "Was ist denn", fragt Helga mit ihrer endlich wieder gewohnt herzlichen, kümmernden Art. "Es ist niemand mehr da", sage ich so verzweifelt, wie ich nur kann, "sie sind alle gegangen."
"Wer, die Kunden?"
"Nein", sage ich, "die sind einfach überall. Die Kollegen sind fort. Der große Wegrationalisierer kam und und schoss sie mit seinem roten Rationalisierungslaser einfach aus den Abteilungen."
"Und wer verkauft mich jetzt?" Ed´s einzige Sorge galt natürlich wieder ihm selbst.
"Halt die Klappe, du Idiot! Dich hat die letzten paar Jahre keiner gewollt und jetzt will dich auch keiner", Helga kann auch anders.
"Entschuldigt, dass ich störe, ich interessiere mich für einen Lautsprecher", unterbricht ein Kunde dieses interessante geplänkel. Ich erhebe mich von der Couch und zupfe mein Fantastisches Hemd zurecht. "Bitte, welche Box interessiert sie?"
"Diese da", sagts und zeigt auf Ed. "Ist das ihr letzter Preis?"
"Ob das mein... natürlich nicht. Sagen sie mir einen Preis und dann sag ich ihnen, ob sie ihnen gehört," ich dachte einfach das ist wohl die letzte Chance. Bevor ich auch noch aus kostengründen abgeschoben werde will ich wenigstens den guten alten Ed loswerden. Schließlich hab ich ihn ja damals auch bestellt. Damals, vor einer Ewigkeit, als das Wort Ladenhüter noch nicht erfunden war.
"Wie wär´s mit 300?" Dreihundert? Was hat der denn geraucht, denke ich so bei mir.
"Deal," rufe ich wie ein verblödeter Marktschreier und reiche ihm die Hand, die er sogleich ergreift.

Also, ich habe Ed verkauft. Nett war´s mit ihm. Dreihundert Kröten für ihn sind definitiv zuwenig, aber immerhin. Weg ist er. Ein Grund mehr für meinem Chef, mich ebenfalls wegzurationalisieren, denn Ed hat uns schwer Geld gekostet. Was soll. "Er wird mir fehlen", flüstert Helga als der grinsende Kunde mit dem verwirrten Ed unterm Arm an ihr vorbei geht. Der Abschied war kurz und schmerzlos. "Und jetzt", fragt Helga melancholisch, "wer leistet mir jetzt Gesellschaft?" Niemand leistet Helga gesellschaft. Die anderen Lautsprecher sind eher schüchtern und sprechen kein Wort. Helga gehts wie mir. Es ist niemand mehr da. Niemand der einen unterstützt, mit dem man dumme Scherze treiben kann, über den man sich aufregen darf, einfach niemand. Nur noch ein Haufen Fragen, die bereits in Millionenfacher ausführung gestellt wurden und langsam frage ich mich, wie´s weiter gehen soll. Helga fragt sich das auch. Doch wenn sie gehen würde, würde im Fantastika alles zusammenbrechen.

28
Sep
2006

Josh, der Kinderschreck

Während Helga gemütlich ihre äußerst schmalen Hüften zur Musik vom älteren Depeche Mode Konzert „Devotional“ kreisen lässt, steht Ed in einer Reihe mit seinen Kollegen. Ed ist schwer gefährdet wenn Kinder in der Nähe sind, denn die fassen mit ihren kleinen Fingerchen gerne mal an Ed´s empfindliche Teile. Dazu kommt noch die tolle neue Regel, dass im Fantastika die eine Seite der vorführbereiten Lautsprecher mit Abdeckung, die andere ohne Schutz zu stehen hat. Ed meinte, er wäre kein FKKler, aber er konnte sich nicht entziehen.

Jetzt stehen sie da, wie nackte Knaben unter der Dusche im Internat wenn der Aufseher rein kommt, in einer Reihe, präsentieren sich nackt und müssen sich alles gefallen lassen. Ed findet das äußerst unangenehm. Ich persönlich finde ja, das er ohne die Bespannung äußerst attraktiv wirkt, aber er war nicht zu überzeugen. Eigentlich deute ich ja sogar in Verkaufsgesprächen eher die weibliche Seite so einer Box an (die Blonde oder die Schwarze? Jaja, die ist ´n bisschen Zickig!), so findet man meistens recht schnellen Zugang zur überwiegend männlichen Boxenkäuferzunft. Ed findet das ziemlich schrecklich. Genau wie die nette Familie mit dem kleinen quietschfidelen Jungen, der hier durch Hifi-Studio turnt.

Während ich also Loblieder über ein tolles Surroundboxen-Set singe, flüstert Ed mir vorsichtig ins Ohr, pass auf den jungen auf, pass auf. Natürlich passe ich auf. Kleine Boxen klingen auch super, versuche ich die Zweifel des Vaters zu zerstreuen, denn ich weiß dass seine Frau keine echten Lautsprecher ihr Wohnzimmer verunstalten lassen möchte. Und gegen die hat er sowieso keine Chance. Aber er hat Glück, versuche ich ihm zu vermitteln. Den diese kleinen Dinger klingen tatsächlich recht ordentlich, für die Größe (das mit der Größe lasse ich selbstverständlich weg, denn meistens ernte ich von den Herren schwer bekümmerte Gesichter während die Damen alles verteufeln, was größer ist als ihre Hände).

Da plötzlich stürmt der kleine auf die unbedeckten Membrane diverser Kollegen von Ed, so schnell das ich es schon fast geschehen sah. Die kleinen Fingerchen tanzten über Papier, Polypropylen, Aluminium, alles nicht ganz so schlimm, doch dann erhöhte er den Druck und führte seine tot bringenden Klauen auf Eds empfindlichstes Gut: Der Hochtöner. Hochtöner eindrücken ist gemein. Das weiß der kleine zwar nicht, aber Ed um so besser. Ich müsste ihm einen neuen nachbestellen, aber dann wäre er nicht mehr Ed, er wäre Ed mit einer Prothese. Niemand will einen Lautsprecher mit Prothese.
Kurz bevor der kleine Finger die Mylarfolie berührt (ich sag`s ja, Ed ist ein recht spezieller Lautsprecher) erhebe ich reflexartig meine Stimme: Stopp, so das der junge, die Familie, meine Kollegen die vor dem Studio stehen, sämtliche Kunden im Laden, die komplette Bürobesatzung, die Menschen in den Autos auf den Parkplätzen und zuletzt das Publikum nebst Depeche Mode Frontmann Dave Gahan inklusive seiner Band kurz innehalten und mich anstarren. Ein kurzer Moment der Stille fügt sich ein den ich nicht so sehr genießen kann, denn es scheint dass alle mich hassen. Schon brüllt der kleine los. Oh Scheiße, denke ich, was hast jetzt wieder gemacht.

Doch Vatti zeigt sich beeindruckt und sagt noch, auf ihn würde er nicht so hören. Naja, vielleich verwenden wir da einfach unterschiedliche Methoden. Das Problem ist nur, bei mir würde der kleine Mann irgendwann zum Amokläufer werden, oder zumindest ein Fall für die Super Nanny.

Die Eltern waren überhaupt nicht verärgert, die Leute machten weiter, Dave brauchte mal wieder etwas länger, schmetterte dann aber sofort wieder los mit den Worten I surrender all control to the desire that consumes me whole und das verschreckte Kind durfte, von seiner Mutter begleitet auf der Couch platz nehmen. Ed lächelte. Der kleine war recht weiß um die Nase, natürlich hab ich mich mehrmals entschuldigt, aber er zog es vor zu schmollen. Die Eltern schmunzelten und ich durfte das Beratungsgespräch zu Ende führen.

Ed ist also gerettet. Helga blieb stumm und konzentrierte sich auf ihre Lieblings-Band: Depeche Mode. Bleibt noch die Frage, warum wir ein altes Konzert laufen lassen, wo die schrägen Synthie-Kollegen doch gerade erst was neues herausgebracht haben. Ganz klar: Anton Corbjin hat´s einfach besser gemacht. Oder so. Ich weiß es nicht, es ist mir auch wurscht, aber Helga wollte unbedingt „Devotional“, ein Superkonzert, allerdings noch mit einem etwas kaputten Dave Gahan. Mein liebstes ist „Live in Paris“, wenn bei „In your Room“ der Hai auf einer Riesenleinwand droht, den kleinen unschuldigen Fisch mir unbekannter art zu verschlucken. Auch ´ne Idee von Anton Corbijn. Aber mich fragt ja keiner.


20
Sep
2006

Psycho Helga

„Schmeiß ihn doch endlich raus“, flüstert sie mir ganz leise ins Ohr. „Ich kann nicht,“ sag ich, „er will sich halt die Lautsprecher anhören.“
Und er tut sich sehr schwer, mein Kunde, sich das richtige Paar auszusuchen. Doch als ich ein ganz bestimmtes Paar anwerfe, da ist´s um ihn geschehen. So habe er sich den Bass vorgestellt. Und was für ein Bass das ist. Ich schalte noch mal zurück auf die andere Box. Wunderbare räumliche Wiedergabe, echtes, grundehrliches und dabei unaufdringliches Fundament. Aber der andere Bass ist einfach lauter. Also wieder zurück zur Box mit dem schrecklich aufgeblasenen Pupsbass für den Mann mit den aufgeblasenen Eiern und dem Vakuum im Kopf.

„Ich finde, der hat hier nichts zu suchen“, sagt sie und ich nicke zustimmend.
Ob die denn auch im Angebot wäre, fragt er mich. Natürlich fragt er das. Nur weil er Taub ist heißt das noch lange nicht, dass er sein Geld zum Fenster rauswerfen möchte.
„Ich lass mich einfach auf ihn drauf fallen, dann ist Schluss!“ flüstert sie und das schlimme ist, sie meint es ernst. Natürlich kann sie sich nicht einfach so fallen lassen.
Dieser Lautsprecher befindet sich nicht in einer Aktion, also muss er noch mal eine Nacht drüber schlafen. Ja, sag ich, schlafen sie doch mal ´ne Nacht drüber. Und hoffentlich passiert ihnen nichts, wie zum Beispiel, sie Träumen sie würden von einer riesigen Amplitude verfolgt und stürzen schlafwandlerisch aus dem Fenster und brechen sich das Genick. Vielleicht bleiben sie aber auch mit ihren Ohren am nächsten Baum hängen, was weiß ich.

Während der Mann sich auf den Weg in sein Schlafzimmer macht, lasse ich mich auf die Couch fallen und schließe die Augen. „Manchmal hab ich das Gefühl, die Leute scheißen durch ihre Ohren! Wieso kannst du eigentlich reden?“
„Mmmmmhhh“, macht Helga, „konnte ich immer schon, aber früher hat man mich mit Staubsaugerbeuteln zugepackt und gelangweilt und was soll man da noch sagen? Aber jetzt habe ich ja richtig Musik und Fernsehen und Leute kommen mich besuchen und das finde ich super. Auch wenn du mich eigentlich dauernd weg haben willst.“
„Das Stimmt“, sage ich, „du stehst mit deinem dicken Hintern aber auch so was von im Weg, kein Wunder das nur noch Idioten hier her kommen um sich was anzuhören,“
„Jetzt gib mir nicht die Schuld. Wenn ich nicht wäre, würde hier alles zusammenbrechen.“
„Stimmt. Sprechen die anderen Säulen eigentlich auch?“
„Naja, einige schon, aber nicht mit mir. Die sind sauer, weil ich als einzige Studiert habe.“
„Ach, was denn?“
„Ich hab einen Abschluss in Psychologie und Philosophie.
Wie kommt´s eigentlich, dass du bei soviel Frust und Ärger über alles Mögliche in diesem Laden immer noch jeden Tag hier her kommst?“
„Naja, ich weiß auch nicht. Irgendwie muß man ja die Zeit rumkriegen. Außerdem find ich´s super, die Leute zu hassen, während ich ihnen Honig ums Maul schmiere. Wenn sie raus sind, kann ich schön über sie abkotzen, das macht mir Spass. Und die Kollegen sind natürlich auch nett. Was sagt das über mich aus?“
„Tja,“ antwortet die mit Holz verkleidetete Säule, die mitten in unserem Hifi-Studio steht, „ich verurteile nicht. Nur, dass du dich mit etwas, dass aus Stahl und Beton gemacht wurde unterhälst, dass macht mir etwas sorgen.“
Ein weiterer Kunde betritt das Hifi-Studio, doch bevor er sich überhaupt umsehen kann brüllt Helga drauf los: „Raus hier, wir haben gerade eine Sitzung.“
Er geht, ich verschränke die Hände hinter meinem Kopf, lehne mich zurück und beginne mit den Worten: „Eigentlich gehts mir ja ganz gut, aber …“

Kennen sie schon Ed?

Kennen sie schon Ed? Der Kunde schaut mich verdutzt an. Ich führe ihn in unser Hifi-Studio und zeige ihm meinen alten Kumpel Ed. Da steht er in volle Pracht. Er habe auch schon von ihm gehört und über ihn gelesen. Aber bis jetzt konnte er sich noch kein persönliches Bild von ihm machen. Eigentlich wäre seine Frau ja sowieso dagegen.
Wenn sie aber doch wirklich was ordentliches suchen, sage ich zu ihm, vernünftige Qualität die ihnen auch die nächsten 15 bis 20 Jahre, vielleicht sogar länger treu bleiben soll, dann brauchen sie Ed. Setzen sie sich, es klingt fast wie ein Befehl. Dann schmeiße ich Ed an. Mit seinem Lieblingsverstärker, er soll sein bestes geben. Der Kunde ist beeindruckt von den ersten Tönen.

Plötzlich ein Hüsterchen. Was war denn das? Fragt Ed´s zukünftiger Besitzer erstaunt. Ach, das war gar nichts. Das liegt an unsere Umschaltanlage. Noch ein Hüsterchen. Frontal, aus der Mitte heraus direkt auf den Kunden. „Ist da was nicht in Ordnung?“
„Doch, doch,“ stottere ich, „wie gesagt, manchmal spinnt unsere Umschaltanlage.“ Ed reagiert, wie er immer reagiert, er wird schlagartig laut. Den Kunden haut´s fast aus dem Sessel. Dann flüstert Ed nur noch und zwar in unterschiedlichen Lautstärken pro Kanal. Und dann gibt er alles. Vom kratzen über ein bitteres Pfeifen bis zum Totalausfall seiner Tieftöner. Der Kunde verschwindet mit andauerndem Kopfschütteln aus den Gemächern und ich drehe mich zu Ed um: „Was soll denn der Quatsch?“
„Den konnte ich nicht leiden. Außerdem findet seine Frau mich bestimmt hässlich.“ Ich setze mich auf die Couch, stütze die Ellenbogen auf die Knie und lege mein Gesicht in die Hände.. „So kommst du hier nie raus, das sag ich dir.“
„Ich lass mich doch nicht an irgendeinen Hanselfransel verkaufen. Lieber werde ich hier alt und lass mich von Holzwürmern anknabbern.“ Während er noch weitere Alternativen aufzählt, dreht sich Helga zu ihm um: „Sag mal, hast du noch alle Kabel im Schacht? Manchmal hab ich das Gefühl, du willst hier gar nicht mehr weg.“
„Ooohh, die feine Dame hat heute auch mal was zu sagen. Du hast ja gut reden, dich wollen sie ja unbedingt behalten, obwohl du wirklich den beschissesten Platz hast, den man sich vorstellen kann.“ Ed regt sich langsam wieder ab. „Ist doch wahr“, dann kneift er seinen Hochtöner zusammen und tut als ob er schläft.

„Vielleicht ein kleiner Lagerkoller, was Ed?“ Ed antwortet nicht auf meine kleine Spitzfindigkeit und Helga beschwört mich zu gehen, damit sie ein Wörtchen mit ihm reden kann. Ich gehe.

Am nächsten Tag sind die beiden ein Herz und eine Seele. Ed ist sehr entspannt. Aber Helga nimmt mich zur Seite und erklärt mir, das ich Ed nicht einfach so verkaufen kann. Er braucht halt etwas Zeit um sich an den Gedanken zu gewöhnen. Außerdem hält er sich für alt, weil ich ihm immer sage, dass er ein oller Ladenhüter ist. Auf Helga´s Rat ist so was zu unterlassen.

Ed und ich verstehen uns jetzt wieder richtig gut, und wenn ein Kunde einen Lautsprecher sucht, schaue ich zuerst zu Ed herüber, der mir mit seinem blitzenden Hochtöner zuzwinkert, wenn er interesse hat, an diesen Menschen verkauft zu werden. Kommunikation ist eben alles.

Friday Night In San Francisco

Aldi Meolas Spielkunst treibt einem mittelmäßigen Gitarristen wie mir Schweißperlen auf die Stirn. Während der als Geistreich gelten möchtende Kunde seine dicken, kleinen Öhrchen spitzt, lauert hinter der hübschen Säule in unserem Vorführraum einer seiner zukünftigen Lautsprecher, und zwar der Rechte. Jab, wer bei mir Boxen hören möchte, sollte auf dem rechten Ohr taub sein. Oder sich eine gute Box aussuchen, die werden nämlich neuerdings bei uns an diverse herumstehende Verstärker angeschlossen. Recht so. Der Mann erkennt sofort, mit wem er es zu tun hat: John McLaughlin, Paco de Lucia und natürlich Al di Meola, den wir, wie gesagt, bei dieser Vorführung hinter einem in Holz gehüllten Betonpfeiler verstecken müssen. Nur Paco ist eigentlich sehr gut von links zu hören. Und John muß kleinlaut in der Mitte sitzen. Verdient haben sie´s nicht.

"Schon ein Pfundskerl, dieser Al Di Meola", sagts und deutet nach links und erklärt mir dabei die Aufnahme. Soll ich ihm jetzt vorwerfen, dass er Paco Di Lucias drahtigen Gitarrensound nicht von Al Di Meolas warmen Timbre unterscheiden kann? Natürlich nicht. Kauf du nur, mein Lieber, wir brauchen das Geld. Im Grunde genommen ist es ja wurscht, wo wer sitzt. Aber wenn er schon damit anfängt...

So lauscht er denn den schnellen Melodien und schließt dabei gar die Augen. Es ist als würde ich Zucker in den Vino schütten. Und er verliebt sich in diesen Lautsprecher, der mir wie ein ächzender Holzfäller vorkommt. Wo die Liebe hinfällt, würde ich sagen und zum Trost für mich gibts jetzt das:

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kauf mich, baby!

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Hifi-Studio


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